Mit 26 AWO-Reisenden ging es in diesem Jahr auf eine schöne Reise nach Norderney. Die Anfahrt verlief angenehm und reibungslos mit dem Reisebus, der anschließenden Fährüberfahrt und einem kurzen Bustransfer. Ein besonderer Service des Hauses erleichterte allen die Anreise: Die Koffer wurden bereits am Fährhafen mit einem kleinen Transporter abgeholt und direkt nach der Fährüberfahrt bis vor die Zimmertüren ins Gästehaus gebracht. So konnte jeder entspannt und ohne Mühe ankommen. Das Gästehaus hatte eine hervorragende Lage am Weststrand. Die lange Promenade, das Meer, das Conversationshaus, das Badehaus sowie die Innenstadt waren bequem zu Fuß zu erreichen. Im Gästehaus hatten wir morgens ein leckeres Frühstücksbüfett, nachmittags Kaffee und ein Stück Kuchen, abends ein Essen am Tisch serviert mit einem kleinen Salatbüfett. Das Programm für die nächsten 6 Tage war bewusst locker gestaltet: Neben drei kleinen Ausflügen blieb viel Zeit zur freien Verfügung. Diese Möglichkeit, den Tag ganz nach den eigenen Wünschen zu gestalten, wurde von allen sehr geschätzt. Vor Ort wurde einiges geboten: Kurmusik, Inselkino im Kurtheater, das Osterfeuer am Ostersamstag, die Salzoase mit Blick auf das Meer mit feinstem Salzaerosol (mehr als 10 x so intensiv wie an der Meeresbrandung) das Badehaus und vieles mehr. Ein besonderes Highlight war die Tee Zeremonie im Heimatmuseum, die von den ehrenamtlich tätigen Hans-Hermann und Ingrid mit viel Wissen, Herzlichkeit und anschaulichen Erklärungen gestaltet wurde. Die Begrüßung auf Norderney ist „He“, nicht „Moin“. Kleine Teetassen, zuerst ein Stück weißer Kandis, dann Tee (nur so viel eingießen, dass man den Tee in drei Schlucken austrinken kann), dann Rahm (mind. 30%) mit einem kleinen Löffel linksherum (entgegen Uhrzeigersinn) zum Tee geben (so als hält man die Zeit an) sodass sich Wölkchen bilden. Nie mit dem Löffel rühren. Ostfriesen trinken mit durchschnittlich 300 Litern pro Kopf und Jahr den meisten Tee weltweit. Die ostfriesische Teekultur ist seit 2016 anerkanntes immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Tee wird in Ostfriesland jedem Besucher angeboten, zu jeder Tages- und Nachtzeit, soviel wie er trinken möchte. Im Anschluss erhielten wir von Hans-Hermann und Ingrid zudem interessante Einblicke, Geschichten und viele Informationen rund um das Heimatmuseum. Dort gab es viele liebevoll präsentierte Schätze zu entdecken - darunter schöne Trachten, eine Barttasse, ein Stövchen „to go“, die typischen langen Stiefel der Frauen für das Watt, um Wattwürmer zu suchen, ein 200 Jahre altes Zeugnis, Schmuck, Muschelbilder, Möbelstücke und viele, viele weitere historische Schätze. Norderney gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Norderney wurde im Jahr 1797 als erstes deutsches Nordseebad gegründet. Der offizielle Badebetrieb begann im Jahr 1800 für die Adeligen. Bis 1876 wurden Badegäste und Post mit der Postkutsche, gezogen von Pferden, bei Ebbe vom Festland nach Norderney gebracht. Der Leuchtturm auf Norderney wurde 1872 – 1874 erbaut und ist mit 54,6 Metern und 252 Stufen das höchste Bauwerk der Insel. Sein charakteristisches Leuchtfeuer ist als einziges an der deutschen Nordseeküste linksdrehend. Die Linse, die das Licht erzeugt, dreht sich gegen den Uhrzeigersinn. Die Windmühle „Selden Rüst“ (häufig als Inselmühle bezeichnet) wurde 1862 erbaut und ist heute ein historisches Wahrzeichen und die einzige Windmühle auf den Ostfriesischen Inseln. Ein weiteres Highlight war die rund zweistündige Schifffahrt entlang der Insel zu den Seehundbänken. Wir konnten über 50 Seehunde auf einer Sandbank und einige schwimmend im Wasser in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Am letzten Tag der Reise erlebten wir bei Sonnenschein eine gemütliche Rundfahrt mit der Bömmelbahn und vielen Informationen über die Insel – vorbei am Yachthafen, dem Leuchtturm bis in den Osten der Insel zum „Oase Strand“, dem schönsten und breitesten Strand der Insel. Anschließend nutzten einige noch die Gelegenheit für eine Fahrt mit dem Riesenrad und genossen ein leckeres Insel Eis. Auch ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen über die gut ausgebauten Wege der Insel waren möglich und wurden von einigen sehr aktiv genutzt – manche kamen dabei sogar auf über 70 Kilometer in den Tagen. Am Abend traf man sich gerne im Aufenthaltsraum zum Kartenspielen, „Mensch ärgere dich nicht“ oder Würfeln und ließ den Tag bei einem Glas Wein oder einem Eierlikör in geselliger Runde gemütlich ausklingen. Das Wetter war während der gesamten Reise überwiegend freundlich mit viel Sonne und klarem, blauen Himmel, auch wenn die Luft oft frisch war. Lediglich am Ostersonntag sorgte ein kräftiger Sturm mit bis zu 84 km/h dafür, dass viel Sand über die Promenade wehte. Es war eine sehr schöne Reise für alle, da jeder viel Zeit zur freien Gestaltung hatte. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv und viele freuen sich bereits auf die nächste AWO-Reise. Text und Bilder Petra Clemens
